Eine Puppe ist mehr als nur eine Puppe

Auswahl der Materialien für eine Puppe

Eine Puppe, ein Seelenbegleiter wird geboren

Die Sehnsucht nach mir, der Puppe, entstand vor vielen Wochen. Es war eine Mutter, die ihrem Kind einen Seelenbegleiter schenken wollte. Ich wurde eine Idee, ein sternenstrahlender Gedanke, und ich fiel als dieser Stern in die Hände einer Puppenmacherin. Sie nahm mein Licht zu sich und trug es eine Weile, bis ich zu einem Bild gerann. Leicht und klar war der Entschluss der Puppenmacherin, welche Stoffe, welche Materialien für meine Kleider, welche Formen die richtigen, die stimmigen, die passenden waren. Mein Sternenkleid verwob sich irdisch und begann zu glänzen.

Von Sternenlicht zu Stoff und Form

In den warmen Händen meiner Werkenden nahm ich Gestalt an, wurde liebevoll gewogen, bewegt, betrachtet und geformt. Es war immer wieder so, als wüsste sie genau, wohin ich werden soll. Das erstaunte mich zutiefst und ich begab mich voller Vertrauen in diese Werden. Wir gingen miteinander schwanger. In mein Herz legte sie einen Edelstein, sie wog ihn lange in ihren Händen, schmunzelte und sprach einen Segen dazu.

Die Puppenmacherin arbeitete liebevoll an mir, mit Nadel, Faden und Bedacht und wenn ich eine Bewegung länger aushalten musste, trösteten ihre Hände. Ich war gehalten und wenn sie eine Pause brauchte, wurde ich in ein Tuch gehüllt und konnte wie sie ausruhen.

Ein Sternenmoment

Es war ein Wunder als sie meinen Blick, den sie die ganze Zeit hindurch spürte, in mein Gesicht zauberte. Ich sah sie an und sie sah mich, wir sahen uns in die Augen und in dieser Begegnung lagen Verbindung und Nähe zu mir und durch mich hindurch. Sie sah mich und das Kind, zu dem ich reisen würde. Sternenmoment!

Vorfreude und Abschied

Voller Vorfreude wohnte ich der Kleiderschneiderei bei. Ich war beim Aussuchen der Knöpfe dabei, wünschte mir noch einen Schal und die Farbe meiner Schuhe. Oh welche Freude. Der weiche Stoff meiner Unterwäsche, dieser blumenfrohe Pullover, die roten Schuhe zur Leinenhose und sogar noch eine weiche Weste. Sehr behaglich…. So lag ich einige Zeit später in ihrem Arm. Ich merkte, dass sie zu rätseln begann. Sie plante die Reise zu dem Kind, für das ich geboren wurde. Sie konnte mich leider nicht begleiten. Das war ungewohnt für sie. Ich dagegen war erfüllt von der Freude meines Seins und meiner Vorfreude auf Klara, das Kind, das ich begleiten würde. Klara, ein leuchtender Name.

Meine Puppenmacherin bettete mich in einen sehr weichen Stoff, deckte mich warm zu und gab mir eine Tasche mit einem Muschelschatz mit. Meine Reise Kiste wurde verschnürt und zugeklebt. Dann war ich allein. Hola, es war turbulent bis still, motorenlaut und warteleise, sonnig warm und dunkel kühl. Das war abenteuerlich und doch, ich war bereit.

Liebe auf den ersten Blick

Nach drei Tagen angekommen, übergeben an Klaras Mutter, wendete sie meine Reisekiste hin und her und wollte mich schon kennenlernen. Ungeduld. Sie betrachtete mich kurz, ich sah ihr liebevoll in die Augen. Wenig später kam die Mutter mit Klara aus dem Kindergarten.

Ich konnte es kaum erwarten. Beherzt öffnete Klara die Kiste und wurde ganz still. Sie sah mich durch und durch an, da waren nur Klara und ich. Ihre großen kleinen Hände packten mich liebevoll zart und legten mich aufs Sofa. Sie blieb bei mir, streichelte sanft meine Wange, deckte mich zu und sang, sang in einem fort, küsste mich zwischendurch flüchtig und dann noch einmal. Ich war angekommen, angenommen und aufgenommen da.

Ein gemeinsames Leben

Und ich kann versichern, welch reiches und abenteuerliches Leben ich seitdem führe. Ich schlafe mit Klara in einem Bett und stehe mit ihr auf, ich fahre Bahn mit ihr, esse mit ihr, bin im Garten mit ihr, ich lebe mit ihr und ihren Freunden und es ist ein sehr ausgefülltes Leben.

Das Leben mit Klara leuchtet wie ein Stern! Ich bin ein Stern für sie und sie genauso für mich.

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Mit Nadel, Faden und Herz: Puppen als Spiegel der Seele